Wenn Facebook dich besser kennt, als deine Freunde

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Abbildung des Facebook Login-Screens

Eine Studie der University of Cambridge zeigte bereits im Frühjahr 2013, dass Facebook sehr wohl im Stande ist, ein umfassendes Persönlichkeitsprofil für jeden seiner aktuell 1.4 Milliarden Nutzer zu generieren. Bereits damals lag die Präzision, mit der tiefgreifende Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Nutzer gezogen werden konnten, bei knapp 95 Prozent.

Wohlgemerkt - und diese Erkenntnis ist für das Verständnis der Tragweite dieser Sache wichtig - ging es bei dieser Studie um die Einschätzung einer Persönlichkeit einzig und allein auf Basis der von dem jeweiligen Nutzer getätigen "Gefällt mir"-Angaben! Eine präzise Persönlichkeitsanalyse ist insbesondere auch dann möglich, wenn man sich wegen der vermeindlichen Anonymität eines mit Fake-Daten aufgesetzten (oder unvollständig ausgefüllten Profils) in Sicherheit wiegt.

Verantwortlich für die hohe Trefferquote bei der Einschätzung der Persönlichkeitsstruktur war ein Computerprogramm, welches die "Gefällt mir"-Aktionen von über 58.000 Nutzern auswertete - Und diese später mit Persönlichkeitstests in Fragebogenform verglich. Als Ergebnis konnten unter anderem das Geschlecht, die Hautfarbe, die sexuelle Orientierung, der Beziehungsstatus, das Konsumverhalten (z.B. von Drogen, Alkohol oder Nikotin) oder die Religionszugehörigkeit (Christ, Moslem, ...) identifiziert werden - Mit erschreckend hohen Trefferquoten von bis zu 95%! Selbst die Intelligenz der Nutzer konnte korrekt eingeschätzt werden, wenn auch nicht mit einer vergleichbar hohen Wahrscheinlichkeit. Spiegel Online verweist in diesem Zusammenhang auf die in der Studie analysierten Likes, etwa von wissenschaftliche Studien bzw. Motorradmarken und Parfümerieketten.

Tatsächlich zeigte die Studie vor allem, dass bereits sehr wenige Daten ausreichen, um einen Menschen präzise und zuverlässig einschätzen zu können. Nutzer sind praktisch transparent, ohne sich dieses Umstands bewußt zu sein. Irrelevant ist in diesem Zusammenhang auch, ob man eine Einwilligung zur Nutzung der persönlichen Daten erteilt hat. Welches Ausmaß die Auswertung persönlicher Daten haben kann, zeigte beispielsweise die Ankündigung der Schufa, das Potential sozialer Medien für die Prüfung von Bonitäten zu nutzen. (Nach der massiven Kritik seitens Politikern und Datenschützern wurde das Projekt allerdings gestoppt.)

Eine nicht unbedingt neue Schlußfolgerung dieser Studie ist, das Facebook vor allem ein gewinnorientiertes Unternehmen ist - Und damit maßgebliches Interesse daran hat, mit den Daten seiner Nutzer Geld zu verdienen. Ein Faktor, den man sich bei der Nutzung dieses Dienstes stets vor Augen halten sollte.

"Zeige mir deine Likes - Und ich zeige dir, wer du bist!"

Ein in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlichter Artikel knüpft nun an diese Erkenntnisse an. Er zeigt, dass aktuelle Spezialsoftware in der Lage ist, weitaus präzisere und umfangreichere Einschätzungen zur Persönlichkeitsstruktur eines Nutzers zu liefern, als es beispielsweise Verwandte oder Freunde könnten. Eine erschreckende Vorstellung, die genügend Raum für Kritik am aktuellen Zeitgeist läßt.

In der von den Universitäten Cambridge und Stanford in Miami veröffentlichten Folgestudie mit einer Teilnehmerzahl von mehr als 86.000 Menschen wurden folgende Eigenschaften der Probanden untersucht: Geselligkeit, Pflichtbewußtsein, Offenheit, Impulsivität und Verträglichkeit.

Auch hier wurde die - inzwischen weiterentwickelte - Spezialsoftware zur umfassenden Analyse der erfassten Daten eingesetzt. Zusätzlich hatten die Versuchsteilnehmer diesmal die Möglichkeit, Freunde und Verwandte über eine App aufzurufen, jeweils zehn Fragen zur Persönlichkeit des Probanden zu beantworten.

Was daraus folgte ist wahrhaft bedenklich, und sollte als Mahnmal bei der eigenen Reise durch das virtuelle Umfeld stets bedacht werden:

  • Bereits 10 "Gefällt mir"- Angaben reichen aus, um präzise Angaben zur Persönlichkeit zu errechnen. Diese sind teilweise zutreffender als die Einschätzungen von Freunden und Verwandten.
  • Bei einer Auswertung von 70 Likes war die Software in der Lage, genauere Angaben zur Persönlichkeitsstruktur zu liefern, als es enge Freunde oder Mitbewohner konnten.
  • Bei 150 Likes wurden Eltern und Geschwister in der Einschätzung des ihnen nahe stehenden Menschen überboten.
  • Zuletzt benötigte die Software rund 300 Likes, um einen Menschen präziser einschätzen zu können, als es der eigene Ehepartner vermag.

Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat 227 Websites mit "Gefällt mir" markiert!

Nutzer von Facebook, Google+ und Co. sollten folglich genau abwägen, welche Daten und Informationen sie veröffentlichen, und welche nicht. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass seine Daten sicher und sein Surfverhalten anonym wäre. Jeder hinterläßt, ob bewußt oder unbewußt, Spuren im Netz. Durch die systematische Auswertung gigantischer Datenmassen mittels intelligenter, lernfähiger Analyse-Software werden umfassende Profile aus genau den unscheinbaren Brotkrumen generiert, die wir bei der täglichen Nutzung dieser Dienste hinterlassen.

Auch wenn Facebook & Co über die Privatsphäre-Einstellungen erlauben, Inhalte nur privat, d.h. nicht öffentlich, zu teilen, werden diese Aktionen dennoch erfasst - und ausgewertet.

Quellennachweise und weiterführende Links:


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